Kreative Wege zur Gewinnung von Erzieherpersonal

Kreative Wege zur Gewinnung von Erzieherpersonal Stadt Bad Vilbel nutzt moderne Medien und neue Wege
Der Bereich der Kindertagesstätten ist ein städtisches Aufgabengebiet, das stets im Fokus der Öffentlichkeit steht. Im besten Fall gibt es in jedem Jahr genug Kitaplätze und in neuen Quartieren stehen schon vor Einzug der neuen Bewohner die Kitas zur Verfügung. In weniger guten Fällen muss man vielen Eltern den Wunschtermin zum Eintritt der Kinder in die Kitas verwehren und kann den Bedarf an Plätzen nicht abdecken. Dies hängt auch damit zusammen, dass man genügend Erzieherinnen und Erzieher in Anstellung hat.
Um in diesem „Markt des Erzieherpersonals“ erfolgreich zu sein, muss sich jede Stadt bemühen. In Bad Vilbel geht man hierbei neue und innovative Wege. „Ausreichend viel Erzieherpersonal ist für alle Städte und Gemeinden ein großes Thema. Es gibt grundsätzlich zu viele Stellen für zu wenige Bewerber. Will man hier erfolgreich sein, muss man sich auch kreative Wege überlegen“, erläutert Sozialdezernentin Heike Freund-Hahn die Ausgangslage.
Die Quellen- und Festspielstadt Bad Vilbel geht genau solche kreativen Wege. „Wir haben diverse Maßnahmen, die teils seit Jahren, teils erst seit Kurzem laufen und von denen wir sagen können, dass sie sehr erfolgreich sind“, freut sich Freund-Hahn über die innovativen Schritte, die der Fachbereich Soziale Sicherung mit seinem Kitabüro geht.
Wer als Erzieher zur Stadt möchte, kann sich beim sogenannten Bewerbertag einfinden. Hier bewerben sich nicht etwa Erzieher um Stellen in den Kitas, sondern die Kitas bewerben sich im Grunde bei den Erziehern. So wird der Weg der Bewerbung umgedreht und Erzieher können sich für die Kita entscheiden, die ihren beruflichen Ideen entspricht. „Dies ist ein kleiner Mosaikstein in den vielfältigen Bemühungen der Stadt. Wer sich unter anderem an diesem Bewerbertag für die Stadt Bad Vilbel entscheidet und auch in unsere Stadt ziehen will, dem helfen wir sehr gern bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung und bieten günstigen und guten Wohnraum in unserer Erzieher-WG an“, macht die Sozialdezernentin auf den nächsten kreativen Baustein aufmerksam.
Zur Gewinnung von Erzieherpersonal hat man zudem vor rund zwei Jahren ein Video gedreht, das unter anderem auf Youtube und Facebook veröffentlicht wurde und viele potentielle Erzieherinnen und Erzieher ansprach. „Bad Vilbel und seine Kitas wurden hier als lebens- und liebenswert dargestellt. Dieses Image ist es auch, das wir von vielen unserer Erzieher gespiegelt bekommen. Auch das ist ein Grund, weshalb viele hier sehr glücklich bei uns sind“, erklärt Freund-Hahn.
Der bislang letzte Mosaikstein bei der Gewinnung von Personal in diesem Bereich ist das Erzieherstipendium. „In der langen Ausbildung zum Erzieher bekommen die Auszubildenden erst im letzten Jahr, dem Anerkennungsjahr, ein Gehalt. Davor ist die Ausbildung unbezahlt, da sie lange Zeit vor allem schulisch verläuft. Wir haben darin stets ein Manko gesehen und wissen, dass dies viele potentielle Bewerber auch abschrecken kann. Seit dem Sommer 2019 bieten wir Auszubildenden, die einen Schulplatz haben und sich entscheiden nach ihrer Ausbildung in einer städtischen Kita angestellt zu sein, die Möglichkeit monatlich 600 Euro. Damit haben diese Auszubildenden ein Gehalt in einer Zeit, in der es sonst kein Geld in der Ausbildung gibt“, führt Freund-Hahn aus. Dieses Modell ist äußerst erfolgreich und stellt eine Win-Win-Situation dar. „Die Auszubildenden haben die Möglichkeit durch dieses Gehalt bereits einen Verdienst zu erhalten und wir binden langfristig gut ausgebildetes Personal an die Stadt. Das Modell trägt bereits im ersten Jahr Früchte und wir freuen uns, dass wir diese Idee an den Start gebracht haben“, so Freund-Hahn.
Der nächste Schritt in der Anwerbung von Erzieherinnen und Erziehern ist die Teilnahme am Förderprogramm des Landes Hessens zur Praxisintegrierten Ausbildung (PiA). Die Stadt Bad Vilbel hat hierzu einen Kooperationsvertrag mit der Berta-Jourdan-Schule in Frankfurt unterschrieben und wird demnach fünf Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. „Die Erzieherausbildung wird in diesem Programm auf drei Jahre angesetzt und auch dem Tarif entsprechend vergütet. Somit wird im Rahmen dieses Pilotprojekts die Ausbildung zu einer dualen Ausbildung. Wir versprechen uns auch hiervon einen Gewinn für beide Seiten“, ist Freund-Hahn abschließend optimistisch.