FDP Bad Vilbel beschäftigt sich mit alternativem Kraftstoff

Umweltschonendes Fahren mit Diesel

Auch in den Zeiten zugespitzter politischer Verhältnisse, die im Bundesland Thüringen ausgelöst wurden, gelingt es, sachlich und vernünftig Themen der Politik aufzubereiten. Dazu gehört ein hochkompetenter Referent und ein sachinteressiertes Publikum. Beides war am Montagabend bei der traditionellen FDP-Veranstaltung „FDP vor Ort“ im Lokal „Al Rafa – Il Bionik Palato“ in der Frankfurter Straße/ Ecke Grüner Weg der Fall. Über 20 Besucher bekamen von Andreas Bauditz, Ingenieur bei der Audi AG in Neckarsulm mit nach wie vor bestehenden Bad Vilbeler Wurzeln, ausgewogen und differenziert vermittelt, welche technischen Chancen neben dem weithin favorisierten Elektroauto vorhanden sind, um die Ökobilanz relativ einfach und kostengünstig zu verbessern, insbesondere auch für die bereits in Bestand genutzten Fahrzeuge. „Mein Ziel, für das ich mich einsetze, ist die technologische Offenheit“, bekräftigte Bauditz, der sich privat in seiner Freizeit in überaus engagierter Weise auf Fachtagungen zum Thema informiert. Durch teils radikale Forderungen steht die Autoindustrie derzeit eher vor einem Strukturbruch als vor dem notwendigen Strukturwandel. Streichung von Arbeitsplätzen und Kurzarbeit bei Zulieferbetrieben sind die derzeit schlechten Meldungen aus der für Deutschland wichtigen Branche, die uns verstärkt erreichen. Dass der Fahrzeugbestand von 47,1 Mio PKW in Deutschland mittelfristig durch elektrische Autos ersetzt werden kann, hält Bauditz für eine Illusion und wirbt darum, die Aufgabe der notwendigen Treibhausgasminimierung im Verkehrssektor sachlicher anzugehen.

Neben dem batterieelektrischen Auto und der mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzelle, die aber noch etwas auf sich warten lassen wird, sind insbesondere auch alternative Kraftstoffe ein hochinteressanter Beitrag zur Reduzierung von CO2, da hierbei auf fossilen Kraftstoff verzichtet wird. Bereits jetzt werden in skandinavischen Ländern mit Einsatz von regenerativem Strom und biologischen Rest- und Abfallstoffen Dieselkraftstoffe hergestellt, die z.B. auch zum Blending von den bekannten fossilen Hochleistungskraftstoffen verwendet werden, nun aber auch in Reinform, z.B. als C.A.R.E Diesel, an einigen wenigen Tankstellen in Baden-Württemberg erhältlich sind. Je nach Transportweg zum Endkunden sind dabei CO2 – Einsparungen von 60 bis 90 % nur durch das Tanken möglich. Eine Umrüstung am Motor ist nicht notwendig. Neben der Fa. Bosch, die nun schon seit über einem Jahr einen Großteil des Dieselfuhrparks damit bewegt und tausende von Kilometern ohne Probleme gefahren ist, tankt auch Bauditz diesen C.A.R.E Diesel aus Überzeugung: „Der Mehrpreis von etwa 30 Cent pro Liter ist mir mein Beitrag zur Minimierung von CO2 wert. Außerdem ist der Kraftstoff extrem hochwertig, schont neben der Umwelt auch den Motor, ist weitgehend wasserneutral und riecht kaum. Jedes Mal, wenn kein synthetischer Diesel zur Verfügung steht und ich fossilen Diesel tanken muss, ärgere ich mich“.

Dadurch, dass die Dichte von C.A.R.E Diesel knapp unter der Grenze der für Dieselkraftstoffe notwendigen Norm EN590 ist, wurde hier in eine neue Norm EN15940 eingeteilt. Kopfschüttelnd stellt Bauditz fest: „Das Umweltbundesministerium hat die Aufnahme der EN15940 in die Bundesimmisionschutzverordnung unterbunden, mit der Begründung, dass die Verwendung von Palmöl nicht ausgeschlossen wird“. Das erfolgt erst mit einem Gesetzeszusatz Ende 2021. „Dabei enthält C.A.R.E Diesel gar kein Palmöl, das sind zwei verschenkte Jahre“, ärgert sich der Ingenieur. Somit ist der Verkauf dieser Kraftstoffe derzeit weitgehend unterbunden, obwohl ein Verstoß gegen EU-Recht. In skandinavischen Ländern oder Österreich ist der Diesel schon im Angebot. Das stellt auch das Umweltministerium in Baden-Württemberg fest, bekennt sich zu synthetischen Dieselkraftstoffen, und stellt in seiner Zuständigkeit fest, den Verkauf dieser Kraftstoffe in Baden-Württemberg nicht zu verbieten.

So sieht es Bauditz für seine Heimatstadt als große Chance an, Fahrzeuge der Stadtverwaltung, die Vilbusse, wie auch die Fahrzeugflotten von Betrieben und Unternehmen, künftig alternativ zu betanken. Wenn sich jetzt noch ein Anbieter von alternativen Kraftstoffen findet und die Vilbeler Autofahrer bereit sind, einen Mehrpreis zu akzeptieren, dann wäre das eine echte Signalwirkung und auch ältere Fahrzeuge würden plötzlich zum Klimaschutz beitragen.

Alle Anwesenden waren sich abschließend einig: Der FDP-Stadtverband wird die Vorlage von Andreas Bauditz aufnehmen und für die Erhaltung eines Individualverkehrs mit deutlich reduziertem ökologischen Fußabdruck in der Stadt, im Land und Bund politisch aktiv werden und vehement für die Durchsetzung des alternativen Diesels eintreten.